Vertiefung und Anwendung evidenzbasierter Praxis: Hals- und Brustwirbelsäule und obere Extremität
- Fakultät
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)
- Version
Version 1 vom 11.03.2025.
- Modulkennung
22M0702
- Niveaustufe
Master
- Unterrichtssprache
Deutsch
- ECTS-Leistungspunkte und Benotung
5.0
- Häufigkeit des Angebots des Moduls
nur Wintersemester
- Dauer des Moduls
1 Semester
- Kurzbeschreibung
Das Modul thematisiert die Reflexion des bestehenden Wissens um neuromuskuloskelettale Untersuchungs- und Behandlungstechniken und deren evidenzbasierte Vertiefung bei neuromuskuloskelettalen Funktionsstörungen der Hals- und Brustwirbelsäule sowie des oberen Quadranten (Kopf-, Nacken- und Armregion).
- Lehr-Lerninhalte
In diesem Modul wird das Basiswissen reflektiert und die neuromuskuloskelettale Behandlungs- und Untersuchungstechniken bei neuromuskuloskelettalen Funktionsstörungen der Hals- und Brustwirbelsäule und des oberen Quadranten (Kopf-, Nacken- und Armregion) vertieft. Die wesentlichen Themen und Inhalte, die im Modul behandlet werden, sind in drei Blöcken aufgeteilt:
Block 1
- Untersuchungsplanung des oberen Quadranten
- Assessment- und Behandlungsprinzipien des oberen Quadranten
- Planung von weiterführendem Assessment und Behandlung des oberen Quadranten eingebettet in einem fortgeschrittenem sich entwickelnden Clinical Reasoning anhand der Hypothesenkategorien und des ‚Clinical Translation Framework“.
Block 2
- neuromuskuloskelettales Assessment des oberen Quadranten
- subjektive und körperliche Basisuntersuchung von Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, des kraniomandibulären Gelenks, von Schulter, Ellenbogen und Hand
- Grundprinzipien der klinischen neurologischen und neurodynamischen Untersuchung u.a. Upper Limp Neurodynamic Test (ULNT)1-3, zervikaler und sympathischer Slump
Block 3
- Behandlung und Management der oberen Extremitäten
- neuromuskuloskelettales Management
- Management bei Bestehen von „beitragende Faktoren“ (Yellow Flags)
- professionelles Handeln bei Kontraindikationen (Red Flags)
- Interaktion mit anderen Fachgebieten
- Bedeutung der ICF und EBM für den Managementprozess - Vertiefung und Reflexion von der weiterführenden Untersuchung und Behandlung des/der individuellen PatientIn im Rahmen von Clinical Reasoning Strategien anhand von unter anderem Demobehandlungen von PatientInnen und Fallbeispielen (Lernen am Model)
- Selbstmanagement und Heimprogramm
- Dokumentation
Block 4
- Manuelle Therapie und neuromuskuloskelettale Wissenschaft
- Der Stellenwert neuromuskuloskelettaler Forschung für die Manuelle Therapie und die Weiterentwicklung der interdisziplinären Zusammenarbeit
- Spezielle motorische Testverfahren:
- EMG-Ableitungen
- Kraftmessverfahren II
- Neuromuskuloskelettale Prinzipien
- zur Belastungssteuerung während der Therapie
- zur Erstellung eines Heimprogrammes für den oberen Quadranten
- Biomechanik des oberen Quadranten I
- Dreidimensionale Bewegungsanalyse Schulter-Arm-Halswirbelsäule (VICON)
- Belastungsmomente in verschiedenen ADL-Situationen
- veränderte Biomechanik bei ausgewählten Krankheitsbildern wie Schleudertrauma, Humeruskopffraktur, Tennisellbogen
IFOMPT-Kriterien: D1, 2, 3, 5, 6; K1, 2, 3, 4, 5, 6, 9, 10, 11, 12; S1, 2, 4, 8
- Gesamtarbeitsaufwand
Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").
- Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen Std. Workload Lehrtyp Mediale Umsetzung Konkretisierung 60 Vorlesung Präsenz oder Online - Dozentenungebundenes Lernen Std. Workload Lehrtyp Mediale Umsetzung Konkretisierung 90 Veranstaltungsvor- und -nachbereitung -
- Benotete Prüfungsleistung
- Portfolio-Prüfungsleistung
- Unbenotete Prüfungsleistung
- regelmäßige Teilnahme
- Bemerkung zur Prüfungsart
Die Auswahl der benoteten und unbenoteten Prüfungsarten aus den vorgegebenen Optionen obliegt der jeweiligen Lehrperson. Diese hält sich dabei an die jeweils gültige Studienordnung.
Die Portfolio-Prüfung umfasst insgesamt 100 Punkte und besteht aus einer einstündigen Klausur (K1) und einer praktischen Arbeitsprobe (APP). Die K1 wird mit 30 Punkten und die APP wird mit 70 Punkten gewichtet.
Die aufgeführten Optionen für unbenotete Prüfungsleistungen im Modul werden als unterstützende Instrumente zur Vorbereitung auf die benotete(n) Prüfungsleistung(en) verstanden.
- Prüfungsdauer und Prüfungsumfang
Für die im Modul zulässigen Prüfungsarten gelten jeweils die folgenden Angaben zum Umfang bzw. zur Dauer.
- Klausur: Siehe jeweils gültige Studienordnung
- Arbeitsprobe, praktisch: ca. 20-30 Minuten.
Regelmäßige Teilnahme: siehe Allgemeiner Teil der Prüfungsordnung
Die Anforderungen werden in der jeweiligen Veranstaltung konkretisiert.
- Empfohlene Vorkenntnisse
Grundlagen des Clinical Reasoning in der muskuloskelettalen Physiotherapie.
- Wissensverbreiterung
Die Studierenden verfügen über ein breites Wissen zu Modellen und Terminologien der Manuellen Therapie, der angewandten Anatomie, der Physiologie, der Biomechanik und der Neurobiologie des oberen Körperquadranten sowie zu akuten und chronischen Schmerzzuständen und deren Interpretation hinsichtlich der Manuellen Therapie.
Sie verfügen über Kompetenzen eines EBM-basierten Schmerzmanagement innerhalb des biopsychosozialen Modells und dessen patientInnenzentriete Durchzuführung, welches pathobiologische, kognitive, affektive und verhaltenstherapeutische Aspekte berücksichtigt und psychosoziale und spezielle pathobiologische Risikofaktoren miteinschließt. Sie kennen Behandlungsprinzipien des oberen Körperquadranten, neurodynamische Test- und Differenzierungsprinzipien des oberen Quadranten, derenzugrundeliegende Theorien und können diese vor dem individuellen Hintergrund (Fachgebiet/Setting) eines/einer PatientIn interpretieren. Es können neuromuskuloskelettale Testverfahren sinnvoll und effizient angewendet werden. Dabei gehen die Studierenden auf die unterschiedlichen Fachgebiete und Settings des/der PatientIn ein. Es werden Wissenstransferleistungen zwischen manualtherapeutischen und neuromuskuloskelettalen Inhalten/Prinzipien durchgeführt, um die bestmögliche patientInnenzentrierte Behandlung zu ermöglichen.
- Wissensvertiefung
Die Studierenden haben ein detailliertes und kritisches Verständnis von biomedizinischen und biopsychosozialen Modellen und deren Anwendung im Therapieprozess der Kopf-, Nacken- und Armregion. Sie verfügen über ein vertieftes Wissen zur aktuellen Evidenzlage in der Behandlung der Halswirbelsäule, der kraniomandibulären Region, der Brustwirbelsäule sowie von Schulter, Ellenbogen und Hand. Sie interpretieren aktuelle Evidenzen kritisch und angepasst an das individuelle Problem der betroffenen Person. Auf Grundlage ihres Wissens identifizieren die Studierenden Forschungslücken in der Behandlung des oberen Körperquadranten. Die Studierenden vertiefen angewandtes anatomisches, biomechanisches und (neuro-) biologisches Wissen und integrieren dieses für die manualtherapeutische Untersuchung und Behandlung des oberen Körperquadranten. Ein wesentliches Merkmal dabei ist die Integration der Kenntnisse von EBM und ICF in den Behandlungsprozess. Über das vertiefte Wissen hinsichtlich der Manuellen Therapie hinaus sind sie in der Lage, neuromuskuloskelettale Forschung und Wissenschaft direkt in die PatientInnenbehandlung einfließen zu lassen.
- Wissensverständnis
Das Verständnis des theoretischen sowie klinischen Wissens über Modelle, Terminologien, angewandte Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie, Biomechanik und der Neurobiologie des oberen Körperquadranten sowie akute und chronische Schmerzzuständen ist klinisch nutzbar und anwendbar. Das tiefe Wissensverständnis macht den Wissensaufbau in den weiteren Modullen möglich. Das erworbene Wissen kann stetig hinterfragt, reflektiert und angepasst werden an die individuelle klinische Situation.
- Nutzung und Transfer
Die Studierenden sind in der Lage, die erlernten Informationen zur neuromuskuloskelettalen Diagnose sowie Indikationen und Kontraindikationen der Manuellen Therapie des oberen Quadranten (Halswirbelsäule, kraniomandibuläre Region, Brustwirbelsäule, Schulter, Ellenbogen und Hand) in ihrer Arbeit mit PatientInnen anzuwenden. Sie beachten Schmerzmechanismen und interpretieren das individuelle Problem des Menschen vor diesem Hintergrund. Die Studierendenverfügen über Fähigkeiten, eine klinische Basisuntersuchung und -behandlung der Kopf-, Nacken- und Armregion durchzuführen. Dabei berücksichtigen sie neuro-orthopädische Differenzialdiagnosen dieser Regionen. Sie verfügen über fortgeschrittene Fähigkeiten in den Behandlungstechniken Mobilisation, Manipulation, Neurodynamik und Übungen für den oberen Quadranten. Sie wenden diese Techniken auf Grundlage ihres Problemlöseprozesses individuell in der PatientInnenversorgung an. Dabei betrachten sie das Problem aus verschiedenen Perspektiven und entscheiden sich im Sinne des Menschen für den erfolgversprechendsten Ansatz.
- Wissenschaftliche Innovation
Basiswissen, keine direkte wissenschaftliche Innovation. Regelmäßiges Thematisieren neuer wissenschaftlciher Erkenntnisse im Themenfeld.
- Kommunikation und Kooperation
Die Studierenden wenden ihre kommunikativen Fähigkeiten an, um umfassende Informationen über die Art der Beschwerden des/der PatientIn zu erhalten. Sie sind in der Lage, Patientinnen, Angehörigen, KollegInnen und FachvertreterInnen Ursache-Wirkungszusammenhänge schlüssig und umfassend zu erklären und ihre therapeutischen Entscheidungen zu vertreten. Die Studierenden übernehmen im therapeutischen Team Verantwortung für die Implementation von Evidenzen und neuen Behandlungsansätzen in der Therapie des oberen Körperquadranten. Sie sind in der Lage, ihr Clinical Reasoning gegenüber Laien, KollegInnen und angehendenTherapeutInnen verbal zu äußern.
- Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität
Die Studierenden integrieren angewandtes anatomisches, biomechanisches und physiologisches Wissen in die Untersuchung und Behandlung der Hals- und Brustwirbelsäule und der oberen Extremität. Wissen über Schmerzmechanismen integrieren sie in ihr Untersuchungs- und Behandlungsmanagement. Sie wenden ihre Kenntnisse zu Behandlungsprinzipien der Manuellen Therapie in der Therapie von neuromuskuloskelettalen Funktionsstörungen des oberen Quadranten an und beschaffen sich wissenschaftlich fundierte Informationen zu deren Diagnostik und Behandlung. Sie dokumentieren den Befunderhebungs- und Therapieprozess entsprechend der Terminologie der Manuellen Therapie. In ihnen unbekannten Situationen sind sie in der Lage, sich selbstständig neues Wissen zu erschließen. Die Studierenden identifizieren selbstständig Forschungslücken und entwickeln eigene anwendungsbezogene Projekte, die sie in ihrem Arbeitsumfeld umsetzen.
- Literatur
- Jull GA (1988): The accuracy of manual diagnosis for cervical zygapophyseal joint pain syndromes. Med J Austr 148: 233 – 236.
- Grant R (1994): Physical Therapy of the Cervical and Thoracic Spine, 2nd ed. Churchill Livingstone, Edinburgh.
- Jull G, Falla D, Treleaven J, O’leary S, Lewis JS. Management of Neck Pain Disorders: a Research-Informed Appoach. 1st ed: Elsevier; 2019.
- Mitchell T, Beales D, Slater H, O’Sullivan P. Musculoskeletal Clinical Translation Framework - From Knowing to Doing. In: Curtin University, ed2017.
- Froböse I, Nellessen-Martens G, Wilke C (2009): Training in der Therapie. Grundlagen und Praxis. 3. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer-Verlag.
- Hollmann W, Strüder HK (2009):Sportmedizin: Grundlagen für körperliche Aktivität, Training und Präventivmedizin, 5. Auflage. Schattauer-Verlag.
- Westerhuis, P Wiesner, R (2013): Klinische Muster in der Manuelle Therapie, Thieme, Stuttgart, 2 Auflage.
- Jull G, Moore A, Falla D, Lewis J, Mc Carthy C, Sterling, M (2015): Grieve`s Modern Musculoskeletal Physiotherapy, 4th edition, Elsevier, Edinburgh.
- Fernandez de las Penas C, Cleland J, Dommerholt J (2015): Manual Therapy for Musculoskeletal Pain Syndroms, 1st edition, Elsevier, Edinburgh.
- Falla, D, Cook, C, Lewis, J, McCarthy, C, Sterling, M (2024): Grieve’s Modern Musculoskeletal Physiotherapy, Elsevier LTD
- Ballenberger, N (2025): Evidenzbasierte Assessments in der Muskuloskelettalen Physiotherapie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
- Aktuelle wissenschaftliche Studien, die sich mit der Modulthematik befassen, werden in die Veranstaltungen eingebunden.
- Zusammenhang mit anderen Modulen
Das Erlernen evidenzbasierten klinischen Denkens ist immer im holistischen Zusammenhang zu sehen und geht somit mit den weiteren "Vertiefungs- und Anwendungs" Modulen einher. Das Modul bereitet auf das Modul "Fortgeschrittene Anwendung evidenzbasierter Praxis: Hals- und Brustwirbelsäule und obere Extremität" vor.
- Verwendbarkeit nach Studiengängen
- Muskuloskelettale Therapie (Manuelle Therapie – OMT)
- Muskuloskelettale Therapie (Manuelle Therapie - OMT) (01.09.2024)
- Modulpromotor*in
- Kapitza, Camilla
- Lehrende
- Person unbekannt
- Timpe, Timo
- Piekartz, Harry
- Kapitza, Camilla